Vom Fischer und seiner Frau

Kennt Ihr noch „Das Märchen Vom Fischer und seiner Frau„? Ich sag‘ nur: „Manntje Manntje, Timpe Te, Buttje Buttje in der See…“ (Falls es bei Euch nicht klingelt: hier könnt Ihr das Märchen nachlesen.)

Darauf gekommen bin ich durch Thomas Weißenborns Buch „Christsein in der Konsumgesellschaft„. Darin geht es z.B. darum, Verzicht wieder neu zu lernen, nach dem Motto: „Das Wenige macht glücklich, das Viele dagegen nicht“. Dann heißt es:

„Diese Wahrheit prägt ein Märchen, das in der Konsumgesellschaft zum Standardrepertoire an Schulen gehören sollte: das Märchen vom Fischer und seiner Frau. Während der Fischer in seiner Armut glücklich ist, weil er genug zum Leben hat, möchte seine Frau immer mehr. Bezeichnend ist allerdings, dass sie in ihrem Weg nach oben keine Grenze kennt. […]
Die Geschichte endet offen: Als die Frau wie Gott sein will, sitzt sie wieder in ihrer armseligen Hütte – wobei unbestimmt bleibt, ob es sich dabei um eine Konsequenz aus ihrem jedes Maß sprengenden Hochmutes handelt oder der Wunsch gerade in Erfüllung ging. Schließlich kam Gott in einem Stall zur Welt und star in äußerster Armut am Kreuz. Reichtum ist also nicht der Weg zu Gott.“
(Thomas Weißenborn (2010). Christsein in der Konsumgesellschaft. Marburg: Francke. (S. 80))

Ich bin ganz sicher, das Märchen in der Schule gelesen zu haben, aber die Botschaft desselbigen war mir völlig entfallen. Bemerkenswert finde ich auch die Wendung am Schluss – eben das Ende in der armseligen Hütte.

Ich glaube, früher habe ich das immer als Strafe für den Hochmut gewertet, aber vielleicht kann man es ja wirklich als Erfüllung des Wunsches ansehen? Gott ist ja schließlich gnädig. Nur wird sich die Frau die Erfüllung wohl kaum so vorgestellt haben.

Ähnlich wie wir heute, finde ich. Oder stellen wir uns (gerne) vor, dass Gott in Dreck und Elend und Armut zu finden ist?

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