Protest gegen die Schöpfung

Paul Verhoeven, der Regisseur von „Basic Instinct“ und „Robocop“, hat ein Buch über Jesus geschrieben. Im Interview mit der FAZ spricht er darüber: „Ich protestiere gegen die Schöpfung„.

Zwei Auszüge daraus:

FAZ: Wenn man das Buch liest, kann man sich gut vorstellen, dass Sie Jesus gefolgt wären – nur Paulus hätten Sie sicher abgelehnt.

Verhoeven: Absolut. Jesus selbst hätte das genauso getan. Wenn er gesehen hätte, wie sie ihn, der das Reich Gottes auf Erden predigte, zum Gottesersatz gemacht, wie sie seinen Tod glorifiziert haben, hätte er sich furchtbar aufgeregt. Jesus wollte das Gottesreich hier und heute, und in seinen Gleichnissen gibt er uns darauf Hinweise. Er öffnet ein Fenster in dieses Reich. Für einen Moment spürt man die Möglichkeit eines anderen Lebens. Dann schließt sich das Fenster wieder.

FAZ: Was macht den geschichtlichen Erfolg des Christentums aus?

Verhoeven: Dass es Christus zum Gottessohn erklärt. Das ist eine mächtige Idee. All die griechischen und römischen Götter, die irgendwo auf dem Olymp hocken, werden durch einen wirklichen Menschen ersetzt. Diese Vorstellung hat die Leute überwältigt. Es gab also nicht nur einen einzigen allmächtigen Gott, sondern er hatte unter uns gelebt.

Ich glaube kaum, dass Jesus sich darüber aufgeregt hätte, dass die Menschheit ihn „zum Gottesersatz gemacht hat“. Aber die Aussage, dass Jesus das Gottesreich (auch) hier und heute will / wollte, kann ich schon gut nachvollziehen. Interessant finde ich Verhoevens Antwort auf die Frage, was das Christentum einzigartig und attraktiv macht / gemacht hat.