Nina Hagen: Bekenntnisse

Kürzlich hab‘ ich endlich „Bekenntnisse“ von Nina Hagen gelesen. (Lag hier ja nun wirklich schon lange genug ‚rum…)

In weiten Teilen strunzfromm! Könnte unsereins sich glatt ’ne Scheibe von abschneiden. Komme trotzdem nicht klar mit der Art, wie sie sich in der Öffentlichkeit gibt. Ist das so ähnlich wie bei Alice Cooper, der ja sagt, seine Shows seien eben nur Entertainment?

Oder bin ich vielleicht einfach zu spießig und engstirnig, um in einem durchgeknallten Punk (Sorry, Nina!) (etwas von) Gott zu sehen?

Wohlbehagen

Nina Hagens Version von „Personal Jesus“ (im Original von Depeche Mode). Das Cover von Johnny Cash gefällt mir zwar sehr viel besser, aber Nina Hagens Gesang ist eh nicht so mein Ding. Aber seht und hört selbst:

Kürzlich kam auch ihr gleichnamiges Gospel-Album raus, über das sich die SZ („Deutschlands echter Superstar„) ebenso lobend äußert wie über ihren Auftritt im Münchener Prinzregententheater letzte Woche: „Gott sei Punk„.

„Een kleurrijk kind van God“: Nina op Nederlands TV ;-)

So, liebe Leute – heute erfülle ich mal den Bildungsauftrag und konfrontiere Euch mit der von mir sehr geschätzten niederländischen Sprache. 🙂

Der „Evangelische Omroep“ (EO; Evangelischer Rundfunk) hat einen Beitrag über Nina Hagen gemacht und sie dafür in Berlin besucht. Schön für alle, die kein Niederländisch verstehen: Die O-Töne von Nina bleiben unübersetzt – es ist also für jeden was zum Verstehen dabei! 😉

Nina Hagen liest in Kassel

Gestern in der hessenschau gab’s einen kleinen Bericht über eine Lesung von Nina Hagen in Kassel.

Hier geht’s lang zu „Nina Hagen liest in Kasseler Christuskirche“

Die Kirche war proppenvoll, die Leute begeistert – zumindest die, die sich vor der Kamera geäußert haben. 😉 Schön auch, wie ihr die Worte fehlen, als sie ihre Begegnung mit Gott beschreiben will.

"Der liebe Gott ist mir entgegengekommen"

Mittlerweile berichten auch große deutsche Zeitungen über Nina Hagens Buch „Bekenntnisse“ – meist in Form von Interviews. So z.B. das Zeit-Magazin unter dem Titel „Gott kam mir mit ausgestreckten Armen entgegen„. Darin sagt Hagen:

Ich habe mich schon als Kind immer nach Gott gesehnt. Mich geliebt und aufgehoben zu fühlen, nicht nur jetzt und hier, sondern für immer und ewig. Und der liebe Gott ist mir tatsächlich mit ausgestreckten Armen entgegengekommen. Er hat nie gesagt: »Ach nö, Nina, du bist mir nicht gut genug. Ab heute bist du nicht mehr meine Tochter.« So was würde der nie machen!

Auch der Rheinische Merkur hatte Frau Hagen zum Gespräch gebeten: „Jesus ist mein Retter„. Auf die Frage „Beten Sie täglich?“ antwortet Hagen dort:

Aber ja. Für mich ist die Beziehung zum lieben Gott eine sehr persönliche. Ich gehöre Gott und beziehe ihn in meinen Tagesablauf ein. In schwierigen Situationen bitte ich Jesus, mich an die Hand zu nehmen, und bete: „God, please can I take your hand?“ Hier auf Erden ist Jesus für mich zwar nicht sichtbar, aber in den Augen meiner Mitchristen sehe ich diese helfende Liebe. Wenn mich ein Mensch anschaut, dann schaut mich auch Gott an.

Die Leserkommentare (im Moment gibt’s nur in der Zeit welche) spiegeln wider, wie kontrovers das Buch bzw. Nina Hagens Aussagen diskutiert werden. Über einen Eintrag musste ich schmunzeln, auch wenn er nicht nett ist und ich ihm auch nicht zustimme:

Zwei wertvolle Erkenntnisse aus Nina Hagens Ausführungen:
1. Die Marsianer sind bereits auf der Erde gelandet.
2. Auf dem Mars gibt es kein intelligentes Leben.

Wie gesagt, nett ist das nicht… Aber schrill ist die Frau halt wirklich! 😉 Naja, und es wundert mich auch nicht, wenn Leute auf eindeutige Glaubensaussagen so reagieren – ist halt immer am leichtesten, Andere als verrückt abzustempeln.

"Wie Nina Hagen Christin wurde"

Also, wenn idea (Ausgabe 11, 17. März 2010) so wie da oben titelt, ist das doch der Ritterschlag, oder? 😉 De facto sind es allerdings hauptsächlich Auszüge aus Nina Hagens neuestem Buch „Bekenntnisse“, die idea da veröffentlicht, weniger eigens recherchiertes Material.

Sei’s drum: Seit das Buch ‚raus ist, habe ich NH nun schon in einigen Talkshows gesehen, im Mai steht eine Lesereise quer durch die Republik an (Ob ich da mal hingehe?) und sicher wird „Bekenntnisse“ auch im christlichen Sektor Resonanz finden. Es gab ja eh schon einige Diskussionen, als Hagen sich taufen ließ (siehe: „Enfant terrible an Bord: Nina Hagen lässt sich taufen„). Und es wird sicher weiter diskutiert werden, ob sie denn jetzt „wirklich richtig Christ“ ist.

Dabei finde ich gar nicht, dass das die entscheidende Frage ist. Weil ich mir sowieso kein Urteil darüber erlauben kann und darf. Viel wichtiger finde ich immer noch die Frage:

Was, wenn jemand wie Nina Hagen (oder Sido, um mal auf mein letztes Posting zurück zu kommen) in meiner Gemeinde auftauchen würde? Könnten wir wirklich glauben, dass sie es ernst meint? Ist meine Vorstellung von Gott auf mein kleines, vergleichsweise spießiges Leben beschränkt? Oder kann ich glauben, dass Gott auch in der schrillen Welt der Nina Hagen da ist – und zwar nicht nur theoretisch? Kann ich glauben, dass Aussagen wie die folgende authentisch und von Herzen so empfunden sind?

„Ich werde es der lieben Muschel (Freundin von NH, bei der sie in ihren Teenagertagen einige Zeit verbracht hat) nie vergessen, dass sie es war, die mir zeigte, wie gut das Beten tut. Und dass es Gott wirklich gibt. Und dass ER nicht über sich spotten lässt! Ohne das Gutenachtgebet kam der große dunkle Nachtwürger Angst. Sobald aber Muschel da war und mit mir betete, wurde das Zimmer von allem Bösen gereinigt, die Angst zerfiel in nichts, und mein kleines Seelchen geriet in einen wunderbaren Zustand des Friedens und der Geborgenheit. Ich lag nicht mehr in einem Federbett, sondern ich kuschelte in den Armen des himmlischen Vaters, der mich ganz doll liebt, sogar noch mehr als mein irdischer Vater!“ (Aus: „Bekenntnisse“, Pattloch (S.83)).

Wie wir mit der Geschichte umgehen, sagt am allermeisten etwas über uns selbst aus, finde ich.