Christen, die ergebenen Bewunderer der Popkultur

„Mit einer Geschwindigkeit, die sonst nur vom chinesischen Schwarzmarkt erreicht wird, produzieren christliche Verkäufer praktisch über Nacht von jedem säkularen Phänomen eine eigene Variante. Egal, ob es sich um ein neues Musikgenre, ein Diätprogramm oder einen Modetrend handelt, spätestens zu Weihnachten findet sich eine entsprechende Jesus-Version im christlichen Laden um die Ecke. Wenn Nachahmung die höchste Form der Schmeichelei ist, dann sind Christen die ergebensten Bewunderer der Popkultur.“

(Skye Jethani: The Divine Commodity. Discovering a Faith beyond Consumer Christianity.)

Vom Fischer und seiner Frau

Kennt Ihr noch „Das Märchen Vom Fischer und seiner Frau„? Ich sag‘ nur: „Manntje Manntje, Timpe Te, Buttje Buttje in der See…“ (Falls es bei Euch nicht klingelt: hier könnt Ihr das Märchen nachlesen.)

Darauf gekommen bin ich durch Thomas Weißenborns Buch „Christsein in der Konsumgesellschaft„. Darin geht es z.B. darum, Verzicht wieder neu zu lernen, nach dem Motto: „Das Wenige macht glücklich, das Viele dagegen nicht“. Dann heißt es:

„Diese Wahrheit prägt ein Märchen, das in der Konsumgesellschaft zum Standardrepertoire an Schulen gehören sollte: das Märchen vom Fischer und seiner Frau. Während der Fischer in seiner Armut glücklich ist, weil er genug zum Leben hat, möchte seine Frau immer mehr. Bezeichnend ist allerdings, dass sie in ihrem Weg nach oben keine Grenze kennt. […]
Die Geschichte endet offen: Als die Frau wie Gott sein will, sitzt sie wieder in ihrer armseligen Hütte – wobei unbestimmt bleibt, ob es sich dabei um eine Konsequenz aus ihrem jedes Maß sprengenden Hochmutes handelt oder der Wunsch gerade in Erfüllung ging. Schließlich kam Gott in einem Stall zur Welt und star in äußerster Armut am Kreuz. Reichtum ist also nicht der Weg zu Gott.“
(Thomas Weißenborn (2010). Christsein in der Konsumgesellschaft. Marburg: Francke. (S. 80))

Ich bin ganz sicher, das Märchen in der Schule gelesen zu haben, aber die Botschaft desselbigen war mir völlig entfallen. Bemerkenswert finde ich auch die Wendung am Schluss – eben das Ende in der armseligen Hütte.

Ich glaube, früher habe ich das immer als Strafe für den Hochmut gewertet, aber vielleicht kann man es ja wirklich als Erfüllung des Wunsches ansehen? Gott ist ja schließlich gnädig. Nur wird sich die Frau die Erfüllung wohl kaum so vorgestellt haben.

Ähnlich wie wir heute, finde ich. Oder stellen wir uns (gerne) vor, dass Gott in Dreck und Elend und Armut zu finden ist?

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Kaufen, kaufen, kaufen

Huch – schon lange nix mehr gebloggt, wie? Da kommt mir das Zitat von Xavier Naidoo, das ich in der „pro“ gefunden haben, doch gerade recht! 😉

„Für mich ist klar, dass irgendwann diese ganzen Papierwährungen null und nichtig sind. Alle sieben Jahre, heißt es, kommt ein riesiger Crash. Da frage ich mich schon, warum in Deutschland eine christliche Partei in der Regierung diesen Bullshit mitmacht. Wenn ich sogar aus der Bibel herauslesen kann, dass das alles keinen Wert hat, wie können die das dann nicht? Ich brauche diese ganzen verlogenen Politikdarsteller nicht und diese ganzen Wirtschaftsbosse, die nichts anderes als ihre Aktien im Kopf haben.“ (Naidoo im Interview mit der KNA)

Gestern ging mir etwas Ähnliches durch den Kopf, als ich die Tagesschau sah. Da heißt es ja jedes Jahr kurz vor Weihnachten so schön, dass der Einzelhandel mit den Verkäufen an den Adventswochenenden zufrieden (oder eben nicht zufrieden) war.  Ähnliche Meldungen gibt’s natürlich auch im Radio und anderen Medien.

Gestern habe ich zum ersten Mal gedacht, dass ich das irgendwie schräg finde… Also, dass es in den Nachrichten regelmäßig eine Rolle spielt, ob wir auch alle brav konsumiert haben. Natürlich – es geht immer auch um Arbeitsplätze. Aber diese Fixierung auf Konsum geht mir trotzdem mehr und mehr auf den Senkel.

„The banks they’re like cathedrals, I guess casinos took their place…“ (Bono, „The Playboy Mansion“)