Musik als Waffe

Es gibt ja so Sprüche, die sind einfach Quatsch. Neulich fiel mir das auf bei:

„Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder:
Böse Menschen haben keine Lieder.“

Da hatte ich gerade die Dokumentation „Musik als Waffe“ auf 3sat gesehen. Darin geht es um eine besonders perfide Methode der Kriegsführung: Den Einsatz von Musik als Folter.

Jeder Kommentar in Richtung: „Haha, gibt echt Musik, die ich mir wirklich gut als Foltermethode vorstellen kann!“ blieb mir im Halse stecken, als mir klar wurde, wie Musik hier zum Einsatz kam (oder sollte ich schreiben: kommt…?). Durch tagelanges, ununterbrochenes Abspielen unerträglich lauter, westlicher Musik sollte der Wille von Gefangenen gebrochen werden. In der Doku (zu sehen hier) wird das sehr anschaulich – u.a. deshalb, weil der Komponist Christopher Cerf, dessen Musik (Lieder für die Sesamstraße!) in Guantanomo für Folter genutzt wurde, einen Selbstversuch macht und sich in die Position des Gefolterten begibt.

Ich bin verstört. Zum Einen über die Sache an sich: Musik – dieses kostbare Geschenk, diese Gabe, im Einsatz für solches Übel? Und dann über die Menschen, die in der Doku zu Wort kommen, weil sie die Methoden entweder entwickelt oder selbst eingesetzt haben. Das klingt bei ihnen so, als ginge es um etwas ganz Triviales wie Waschmittel oder Fußbodenheizung. Da fällt mir nichts mehr ein…

(Oder doch: Herr, erbarme Dich!)