Früher war weniger Gesabbel… (Gedanken zur WM)

Ich glaube, mit Sinn und Verstand verfolge ich Fußball-Weltmeisterschaften seit 1986. Von just dieser WM in Mexiko hat Phoenix neulich noch mal Spiele gezeigt. In den etwa 15 Minuten, die ich da von der Partie Argentinien – England (das ist die mit der „Hand Gottes“) sah, fiel mir eins sofort auf: Der Kommentator hat deutlich weniger gesabbelt als die Kollegen heute. Will heißen: Teilweise war da fast minutenlang Stille (bis auf so klassische Sachen wie: „Burruchaga auf Maradona. Tor!“ oder so… 😉 ).

Heutzutage hingegen wird ständig geredet. Oder kommt nur mir das so vor? Es darf einfach kein Vakuum entstehen. Und dann immer diese abstrusen Statistiken: „Immer, wenn Deutschlanddas erste Spiel  in der Vorrunde gewonnen hat, ist die Mannschaft nachher auch Weltmeister geworden“ (Ob das jetzt stimmt, weiß ich nicht, aber in dem Stil läuft das doch).

Oder die Angaben, wer wie viel Ballbesitz hat, wer schon wie weit gelaufen ist, wer bei welchem Verein gespielt hat, vielleicht noch spielen wird, schon immer spielen wollte, leider niemals spielen wird… Und natürlich immer der Verweis auf Videotexttafel 222, wo „Statistikfreunde“ das alles und noch viel mehr während des Spiels in Ruhe mitverfolgen können. Toll, nicht?

Was meiner Meinung nach auch völlig ausufert, ist die Vor-, Zwischen- und Nachberichterstattung zu den Spielen. Zum Beispiel: „Wir schalten jetzt live ins Quartier der deutschen Nationalelf. Die Spieler haben gerade zu Mittag gegessen und haben jetzt eine Stunde Pause, die die Meisten auf ihren Zimmern verbringen.“ Na und?!

Oder all die Spieler-Interviews: „Wie ist die Stimmung in der Mannschaft? Wie ist die Stimmung von Jogi Löw? Wie fühlen sie sich nach dem 0:1 gegen Serbien? Wie werden Sie sich vor dem Spiel gegen Ghana fühlen? Und danach?“ Et cetera…

Hinzu kommen die allgegenwärtigen Experten, die man sich meiner Ansicht nach ebenfalls sparen könnte. Mir ist völlig egal, wie Herr Kahn oder Herr Netzer oder wer auch immer das Spiel einschätzt. Für mich sind ihre Analysen kein Gewinn.

Und dass die Schiri-Entscheidungen dauernd so zerpflückt werden müssen: Muss das sein? Nicht, dass die Schiris bei dieser WM ohne Fehl und Tadel wären (absolut nicht, finde ich). Aber es macht die Sache nicht besser und die Entscheidung nicht rückgängig, wenn man sich jede Szene aus siebenundvierzig verschiedenen Winkeln und in drei verschiedenen Zeitlupen noch vierundzwanzigmal ansieht.

So. Genug gezetert! 😉 Zum Glück muss ich mir das alles ja nicht ansehen. Ich schalte einfach kurz vor Anpfiff ein, nutze die Halbzeitpause für die Doppelnull, Nachschub an Getränken und anderer Nahrung und blende den ganzen Rest möglichst aus.

Oder seh‘ ich das eh viel zu eng?!

P.S.: Was mir noch keiner richtig erklärt hat: Warum tragen moderne Fußballspieler eigentlich keine gescheiten Schienbeinschoner?! Ich hatte immer sowas hier, also mit Knöchelschutz und so. Bei den Profis scheinen eher Modelle beliebt, die man sich einfach in die Stutzen schiebt – sowas hier zum Beispiel. Kein Wunder, dass denen die Knochen eher kaputtgehen, denke ich dann immer. Kann mir das mal einer erklären?!

Foto: JR3, sxc.hu