Die Hauptsache fehlt?

Was „Die Hütte“ von W.P. Young betrifft, ist der große Hype bisher ausgeblieben – so ist zumindest mein Eindruck, auch wenn das Buch gerade auf Platz 5 der Spiegel-Bestsellerliste im Bereich „Belletristik“ steht. Ullstein/Allegria hat extra zu „Die Hütte“ eine Community mit Diskussionsforum eingerichtet. Viel geht da nicht, aber einen Beitrag fand ich doch bemerkenswert:

„Ich bin schon lange, also seit meiner Kindheit, auf der Suche nach Gott. In der traditionellen Kirche habe ich Ihn nicht gefunden, obwohl ich dort auch gerne hingehe. Aber es hat sich nie ganz richtig angefühlt. Der Ansatz war da, aber es fehlte mir was entscheidendes, denn den Gott den ich fühle und liebe, habe ich dort nicht gefunden.
Als ich nun dieses Buch las, fühlte ich „genau das war es“, was ich immer schon wusste, nur eben nicht in Worte fassen konnte.
Dieses Buch wurde vom Himmel geschickt an all die Suchenden, die sich nicht einfach mit den althergebrachten Weisheiten zufrieden geben und verbreitet sich genau deshalb so schnell, weil die Welt genau dieses braucht.
Ich danke dem Verfasser für die wundervollen Gedanken, die er für uns, die wir genau das fühlen und wissen, in Worte gefasst hat.“

Ich will das Buch nicht über den grünen Klee loben oder behaupten, es sei die Geheimwaffe. Aber der Eintrag macht mich nachdenklich. Ist es nicht haarsträubend, dass jemand sagen muss, er habe Gott in der traditionellen Kirche nicht gefunden? Was auch immer man über das Buch denken und meinetwegen auch wild diskutieren mag – es macht mich leicht fassungslos, dass ein Buch offenbar besser dazu in der Lage ist, etwas vom Wesen Gottes zu vermitteln, als viele Kirchen, Gemeinden und einzelne Christen.

Und dann frage ich mich noch: Wie kann man eine Verbindung herstellen zwischen dem, was dieses Buch offenbar auslöst und vermittelt, und dem stinknormalen Sonntagmorgen-Gottesdienst? Kommt da Gott etwa wie jemand ’rüber, der uns gerne mal was richtig Gutes kochen möchte? (Für alle, die das Buch nicht kennen: Gott, der Vater, ist in „Die Hütte“ eine afroamerikanische, nicht eben zierliche Frau, die ständig kocht. Siehe auch „Gott kocht“.) Geht es da so locker und herzlich zu wie in der Hütte, in der die Hauptfigur Mack auf Gott trifft?

Die meisten Gottesdienste (und dazugehörigen Gemeinden), die ich kenne, sind ganz okay. Man gibt sich müde Mühe, nach bestem Wissen und Gewissen. Aber manchmal beschleicht auch mich das Gefühl, dass (uns) irgendetwas Entscheidendes fehlt… Mir jedenfalls reicht es nicht mehr, zwei Stunden lang meinem Vordermann auf den Hinterkopf zu starren und das dann als Gemeinschaft zu bezeichnen (So formulierte es ein Kollege neulich). Klingt überzogen bis bissig. Aber was Wahres ist dran.