Kunst hilft der Anbetung (Webb-Interview eingedeutscht)

So, hier mal eine schnell dahingeschriebene Übersetzung des Interviewschnipsels (siehe letztes Posting). Man kann das sicher besser machen, aber für die Zwecke dieses Blogs möge es reichen. 😉

Here we go:

Ich muss gestehen, dass für mich – obwohl ich selbst Musiker bin – die Musik der Teil des Gottesdienstes ist, der mir am wenigsten gefällt. Sie gibt mir einfach nichts. Das liegt nicht an der Musik oder an der Gemeinde. Das ist mein Problem, und zwar eins, das mich sehr beschäftigt – und ich bin wahrscheinlich nicht der Einzige, dem es so geht. Die Musik bringt mich nicht wirklich weiter. Vielleicht liegt es daran, dass Anbetung eigentlich sehr geheimnisvoll – mystisch – ist, wir aber eine ganz spezielle Sprache verwenden, um den geistlichen Moment zu beschreiben, den wir gerade erleben. Ich glaube, dass das eine tolle Sache sein kann. Das ist z.B. das Tolle an den alten Chorälen. Oder auch an modernen Anbetungsliedern. Oder an einer festen Liturgie und dem Glaubensbekenntnis. Denn manchmal kommt man in die Gemeinde und fühlt und glaubt rein gar nichts.

[…]

Trotzdem finde ich, dass wir mit unseren voll durchgeplanten Anbetungsgottesdiensten – manche Gemeinden gehen da ganz minutiös vor – etwas verpassen. Ich habe nichts gegen Effizienz. Aber wäre es nicht eine Bereicherung und ein Zeichen der Vielfalt innerhalb der Gemeinde, ein paar unstrukturierte, abstrakte Momente einzubauen? Die Kirche hat schon so lange und auf so vielfältige Art und Weise von dieser Form der Kunst profitiert – sei es Musik, Glasmalerei, Architektur. Die Kunst kann eine große, vielleicht einzigartige Rolle dabei spielen, verborgene geistliche Wahrheiten zu kommunizieren.

Wenn Worte die Anbetung stören

Art House America hat Derek Webb (Ihr erinnert Euch, „Feedback“, das Worship-Album ohne Worte) interviewt. Teil I ist online und sehr lesenswert, Teil II folgt am 17. Februar. Man muss das Album nicht kennen, Webb äußert nämlich auch eine Reihe bemerkenswerter Gedanken zum Thema „(Anbetungs)Musik in der Gemeinde“ generell. Zum Beispiel, dass er als Musiker die Musik im Gottesdienst am allerwenigsten schätzt:

I’ll confess to you that, even as a musician, my least favorite part of any church service is the music. It just does nothing for me. That’s not a problem with the music or with the church. That’s my problem, but it’s still an issue for me and I think I’m probably not the only one. The music doesn’t really take me anywhere. I wonder if the reason is because those moments of worship are so mysterious — it’s mystical — and yet here we are provided with this very specific language with which to express the spiritual moment that we’re in. Now, I think that can be a great thing. That’s the great thing about hymns. It’s the great thing about worship songs. It can be the great thing about liturgy and creeds because there are moments when you come into church and you’re not feeling anything and you don’t believe anything.

[…]

However, I feel like there’s a real void in the church with our very efficiently planned out worship services, some churches down to the minute. I’m not criticizing efficiency. Yet couldn’t it be beneficial to some of the diversity of the body to build in some unstructured moments, some abstract moments. The church has depended upon this type of art for so long and in so many ways — be it music, stained glass, architecture. Art has such a great, potentially unique role to play in the communication of mysterious, spiritual realities.

(Wieder einmal bitte ich um Verzeihung, weil ich gerade keine dt. Übersetzung parat habe…)

Sehr nachvollziehbar finde ich das. Mir sagen viele (die meisten?) Anbetungslieder auch nichts. Ich weiß nicht genau, wie das aussehen soll, was Webb als „some unstructured moments“ (im Gottesdienst) bezeichnet – aber mir schwant, dass ich so etwas mögen würde….

Worship ohne Worte

Das Netz ist ja hin und wieder doch eine feine Sache. Oder hätte ich sonst von Derek Webb gehört? (Dank an Manuel für den Tipp!) Der macht – sagen wir mal: elektronische Musik, auf die ich eigentlich gar nicht so stehe, neuerdings aber irgendwie doch. Für den 2. November hat Webb ein Worship-Album mit dem Titel „Feedback“ angekündigt. Bin sehr gespannt darauf – verspricht es doch zum Glück,  ganz anders zu sein als alles, was ich bisher als Worship-, Lobpreis- und/oder Anbetungsmusik kenne, allein schon, weil „Feedback“ ein Instrumentalalbum sein wird. Was Webb darüber schreibt, klingt sehr vielversprechend:

[…] it wouldn’t be consistent with my creative ethic to record a collection of corporate-ready choruses for local churches to sing, nor does there seem to be a general need for that.  there is plenty of modern “worship” music and are certainly many other artists who are more appropriately gifted and positioned to provide those songs.  i wanted to do something that would be challenging to both me as a creator and to those who might engage with what i make.  make no mistake, there is a deeply spiritual component to getting in way over your head.

[…]we would seek to make a worshipful, instrumental (containing no lyrics), electronic music recording, classically composed into three movements, based strictly on the structure and content of the ‘lord’s prayer’ (which has three major sections, reflected in the three movements of the composition).

Auch Webbs Gedanken zu Worship im Allgemeinen finde ich sehr erfrischend:

the very idea of “worship” has become a complicated one.  arguably, it’s what we all do, 24 hours a day (regardless of what we’re worshipping).  but in some christian circles, some of which i feel as though i move in and out of, there have been very rigid guidelines regarding what qualifies to be called “worship,” especially in art.  it can typically be identified by a particular sound or look, narrow subject matter, and an uncomfortably predictable and yet mysteriously expected response of those who consume what might be called “worship product.”

Ähnliches hab‘ ich im Blog von David Knuckles gefunden:

i can remember in years past having idealistic conversations with close friends, most of which where musicians, about all instrumental, or mostly instrumental times of worship interspersed with long moments of prayer and silence.  time focused less on melodies that allows us to engage with, not escape from, the Spirit. something that is less mainstream and comfortable and actually allows us to focus in on the immeasurable grace, mercy, love, power, etc. of our God.  a time less focused on ourselves and more focused on our God.  i say all of that because i find it easy to focus in on singing, or the band, or the presentation to a point that i am singing about a God i am not even engaged with.  a distraction form our intended focus!  awfully silly to sing about having an intense relationship with someone you never actually get intense with.

(Übersetzung folgt, wenn ich mehr Zeit habe… sorry!)

Schon oft habe ich gedacht: So wie wir manchmal in der Gemeinde stehen, könnte man auch denken, wir beten die Band an. Oder das schöne Glasfenster im hinteren Teil der Bühne. Oder die Leinwand, auf die der Beamer die Texte projiziert. Und irgendwo hab‘ ich mal den Satz gehört: „Es wird doch kaum irgendwo so viel gelogen wie während der Anbetungszeit!“ Einfach, weil man Vieles gedankenlos mitsingt, ohne es wirklich zu meinen. Ganz davon abgesehen, dass mir viele Texte überhaupt nichts sagen, mir nicht aus der Seele sprechen. Wäre es da nicht mal angenehm, hochwertige, gut gemachte, instrumentale Musik zu hören, um Gott anzubeten, ihn so erst einmal zu erleben? Oder anders gesagt: Die Kunst wirken zu lassen?