Jesus-Casting

Neulich in der SZ gelesen – kurzer Bericht über die Filminstallation „Casting Jesus„:

„Von Christian Jankowskis Filminstallation ‚Casting Jesus‘, das die Londoner Lisson Gallery derzeit zeigt, lernt man viel über einen herrlich theatralischen, spezifisch italienischen Katholizismus, dem so gut wie nichts peinlich ist. Und Einiges über den Einfluss, den 2000 Jahre Kunstgeschichte auf unser Jesus-Bild haben.

Die Idee des Werks ist einfach: Das Konzept der Casting-Show dient hier der Suche nach dem perfekten Jesus-Darsteller. Jankowski kam auf die Idee, als er in der römischen Cinecittà während einer Drehpause von Mel Gibsons ‚The Passion‘-Film zufällig Zeuge wurde, wie der Jesus-Darsteller Jim Caviezel von zwei katholischen Geistlichen spirituell ‚gecoached‘ wurde. In ‚Casting Jesus‘ fließt dieser Aspekt ebenso ein wie der Blick auf das Wechselverhältnis von Kunst und Religion. Der Film, obwohl streckenweise durchaus komisch, enthält sich jeder vordergründigen Veralberung. Jankowski sagt, ihn fasziniere die ‚klare Haltung‘ die hinter jeder Religion stehe. “ (SZ, „Mit Bart?„)

Vatikan: „Blues Brothers“ ein katholischer Klassiker

Na, das ist doch mal ’ne nette Meldung aus dem Vatikan:

Dessen Hausblatt L’Osservatore Romano kommt laut SZ zu dem Fazit, dass der Film „Blues Brothers“ ein sog. „katholischer Klassiker“ ist. Anspielungen auf die Bibel bietet der Film in der Tat eine ganze Reihe, aber so ganz genau nehmen es die Blues-Brüder Jake und Elwood mit Gesetz und Moral dann auch wieder nicht. Die SZ schreibt dazu:

Für den Vatikan zählt allein die aufopferungsvolle Hingabe, mit der die Brüder ans Werk gehen. Und so wird auch darüber hinweggesehen, dass Jakes Erweckungserlebnis ausgerechnet durch eine evangelikale Predigt von James Brown ausgelöst wird. Wer wollte kleinlich sein, wenn die Geschichte des verlorenen Sohnes nacherzählt wird, und urchristliche Themen wie Sünde, Vergebung und Erlösung abgehandelt werden.

Mir gefällt an dem Film vor allem die Musik! Deshalb hier einer für Jake und Elwood: „Twist it“

Dorian Gray: Ewig jung, ewig verdammt

Was passieren kann, wenn man einen Pakt mit dem Teufel eingeht, um ewig jung und schön zu sein, ist Inhalt des Romans „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde.

Das Buch wurde jetzt (mal wieder) verfilmt und ist mit Ben Barnes in der Hauptrolle seit 15. April in den deutschen Kinos zu sehen. Zum Trailer geht’s hier lang. Außerdem haben die Kollegen von kino-check.tv den Film besprochen.

Ob ich mir den Film ansehe, weiß ich nicht – kommt mir dem Trailer nach ziemlich hollywood-mäßig-bombastisch-überladen vor. Nicht so sehr mein Geschmack. Aber das Buch werde ich mal wieder hervorkramen – muss gestehen, dass es mich beim ersten Lesen (vor 14 oder 15 Jahren?) nicht sonderlich beeindruckt hat. Aber mir geht es oft so, dass ich Bücher mit einigem Abstand plötzlich ganz anders wahrnehme.

Das Thema finde ich jedenfalls sehr interessant – und bis heute aktuell, denn ewige Schönheit und Jugend sind für Viele ja immer noch das höchste Gut. Und was alles dafür getan wird (es muss ja nicht gleich ein Pakt mit dem Teufel sein…), ist oft peinlich bis absurd.

Ich für meinen Teil bin bisher immer zufriedener mit mir, je älter ich werde. Mal sehen, ob das so bleibt… 😉

(Bild: Concorde Film)

"Wie Nina Hagen Christin wurde"

Also, wenn idea (Ausgabe 11, 17. März 2010) so wie da oben titelt, ist das doch der Ritterschlag, oder? 😉 De facto sind es allerdings hauptsächlich Auszüge aus Nina Hagens neuestem Buch „Bekenntnisse“, die idea da veröffentlicht, weniger eigens recherchiertes Material.

Sei’s drum: Seit das Buch ‚raus ist, habe ich NH nun schon in einigen Talkshows gesehen, im Mai steht eine Lesereise quer durch die Republik an (Ob ich da mal hingehe?) und sicher wird „Bekenntnisse“ auch im christlichen Sektor Resonanz finden. Es gab ja eh schon einige Diskussionen, als Hagen sich taufen ließ (siehe: „Enfant terrible an Bord: Nina Hagen lässt sich taufen„). Und es wird sicher weiter diskutiert werden, ob sie denn jetzt „wirklich richtig Christ“ ist.

Dabei finde ich gar nicht, dass das die entscheidende Frage ist. Weil ich mir sowieso kein Urteil darüber erlauben kann und darf. Viel wichtiger finde ich immer noch die Frage:

Was, wenn jemand wie Nina Hagen (oder Sido, um mal auf mein letztes Posting zurück zu kommen) in meiner Gemeinde auftauchen würde? Könnten wir wirklich glauben, dass sie es ernst meint? Ist meine Vorstellung von Gott auf mein kleines, vergleichsweise spießiges Leben beschränkt? Oder kann ich glauben, dass Gott auch in der schrillen Welt der Nina Hagen da ist – und zwar nicht nur theoretisch? Kann ich glauben, dass Aussagen wie die folgende authentisch und von Herzen so empfunden sind?

„Ich werde es der lieben Muschel (Freundin von NH, bei der sie in ihren Teenagertagen einige Zeit verbracht hat) nie vergessen, dass sie es war, die mir zeigte, wie gut das Beten tut. Und dass es Gott wirklich gibt. Und dass ER nicht über sich spotten lässt! Ohne das Gutenachtgebet kam der große dunkle Nachtwürger Angst. Sobald aber Muschel da war und mit mir betete, wurde das Zimmer von allem Bösen gereinigt, die Angst zerfiel in nichts, und mein kleines Seelchen geriet in einen wunderbaren Zustand des Friedens und der Geborgenheit. Ich lag nicht mehr in einem Federbett, sondern ich kuschelte in den Armen des himmlischen Vaters, der mich ganz doll liebt, sogar noch mehr als mein irdischer Vater!“ (Aus: „Bekenntnisse“, Pattloch (S.83)).

Wie wir mit der Geschichte umgehen, sagt am allermeisten etwas über uns selbst aus, finde ich.