Schmerz und Trauer und Schönheit zusammenbringen

Habe in letzter Zeit an der Überarbeitung eines Vortrags von N.T. Wright gesessen und dabei folgende Gedanken gefunden, die mir sehr aus der Seele sprechen:

Wir brauchen eine biblische Theologie der Kunst und der Kultur. Diese fängt bei der Tatsache an, dass Gott in dieser Schöpfung wohnt. Wenn wir die Welt anschauen, wissen wir im Grunde unseres Herzens, dass es mehr gibt als das, was wir sehen und berühren können. Es gibt noch etwas Geheimnisvolles, Besonderes, das wir schwer in Worte fassen können. Und es war immer der Auftrag der Menschheit, die Schönheit der Welt zu feiern und sie durch ihre Kunst zu vergrößern.

Aber mit der Schönheit ist es wie mit der Gerechtigkeit – die Menschen bekommen es nicht hin. Unsere Kultur und unsere Ästhetik haben sich in zwei Richtungen entwickelt: Sentimentaliät und Brutalität. Kirchen sind insofern darin verwickelt, als wir manchmal gerne nur das Sentimentale sehen. Die sentimentale Seite sagt: Was für ein schöner Ort diese Welt doch ist! Und ignoriert dabei die Hässlichkeit und Gefahr dieser Welt. Und die brutale Seite sagt: Diese Welt ist grausam und gefährlich, und wir sagen es so, wie es ist.

Aber gibt es nicht noch einen anderen Weg? Die Gemeinde hat die Aufgabe, durch die Künste eine tiefere und reichere Wahrheit über die Welt auszusagen. Es ist unsere Aufgabe, die Schönheit der Schöpfung zu feiern! Eine authentische christliche Ästhetik sollte den ganzen Schmerz und die ganze Trauer dieser Welt aufnehmen und mit der Schönheit zusammenbringen, die in Gottes neuer Schöpfung durchbricht.

(N.T. Wright beim Studientag Gesellschaftstransformation in Marburg am 19. Februar 2011)

2 Gedanken zu „Schmerz und Trauer und Schönheit zusammenbringen“

  1. Das Buch mit dem Beitrag („Die verändernde Kraft des Evangeliums“) erscheint übrigens am 5. Marburger Studientag: 18. Februar! Darin sind drei Beiträge von Wright, einer von Miroslav Volf und noch viele andere spannende ….

  2. „Schönheit ist Wahrheit und Wahrheit ist Schönheit. Das ist alles, was wir auf Erden wissen, und alles, was wir wissen müssen,“ schrieb der Dichter John Keats,
    zitiert in „Das Leben beginnt in dir – Weisheitsgeschichten aus der Wüste“ von Joan Chittister.
    Sehr empfohlen!

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