Lebt der Erlöser im Staub oder darüber?

Hab‘ mich gestern gestoßen, und zwar an einer Zeile in einem Anbetungslied. Nämlich:

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt
Ich weiß, dass er hoch oben steht
Hoch über all dem Staub der Welt
Ich weiß, dass mein Erlöser lebt

Es mag haarspalterisch erscheinen, aber ich bin nun mal so detailversessen. Also: Ich finde die Aussage, dass Jesus „hoch über all dem Staub der Welt“ ist, nicht ganz richtig. Ist es nicht vor allem so, dass Jesus mittendrin im Staub der Welt ist? Tröstlicher bzw. mutmachender wäre das allemal. Wenn Jesus nur irgendwo im Himmel weit weg von uns ist, können wir doch gleich einpacken.

11 Gedanken zu „Lebt der Erlöser im Staub oder darüber?“

  1. Ich empfinde das nicht als „haarspalterisch“, sondern als richtig und wichtig! Um es mal mit meinem „Lieblingszitatlieferanten“ Dietrich Bonhoeffer auszudrücken:
    „Wo der Verstand sich entrüstet, wo unsere Natur sich auflehnt, wo unsere Frömmigkeit sich ängstlich fernhält, dort, gerade dort liebt es Gott zu sein.“ – Mittendrin im Staub…

    Grüßle, Sec

  2. Ah, danke für den Hinweis!

    Ich wollte auch gar nicht dem Loddar an den Karren fahren – und wenn er eben jenes „zuletzt“ noch eingebaut hätte, sähe die Sache ja tatsächlich anders aus. 😉 So finde ich die Aussage aber nach wie vor nicht ganz zutreffend.

  3. Ach nee, so bin ich aber auch nicht drauf. Ich mag das Lied deswegen, weil ich finde, dass Hiob eines der so ziemlich verrücktesten, aber konsequentesten Vorbilder für einen Anbeter ist, das ich mir so vorstellen kann.

  4. Ich weiß. Oder hab’s geahnt. Hab‘ dat schon richtich verstanden.

    Es ist auch gar nicht so, dass ich das Lied an sich partout nicht mag. Bin, wie gesagt, nur über diese Zeile gestolpert. Und finde, dass manchmal auch ein bisschen Schwachfug zusammengesungen wird, ehrlich gesagt… Aber das ist schon wieder ein Thema für sich.

  5. Als derjenige, der das Lied am Sonntag ausgewählt hat, dass du gesungen hast, gebe ich auch noch meinen Senf dazu 🙂

    Man kann das „hoch über dem Staub der Welt“ in zwei Richtungen hören – entweder als Abgehobenheit Jesu von unseren Problemen (dann wäre es tatsächlich nicht tröstlich!) oder aber als Ausblick auf die Gewissheit unserer Erlösung, die am verherrlichten Christus hängt. Letztere Perspektive des verherrlichten Christus wird im Neuen Testament nicht selten ganz bewusst als Trost für die Nachfolger Jesu verwendet, z.B. in der Offenbarung. Dass wir das schnell als „Jenseitsvertröstung“ empfinden, sagt mehr über unsere materialistische Prägung als über die Untauglichkeit biblischen Trostes.

    Genau diese Bedeutung der „himmlischen Zukunftsperspektive“ hat Kosse m.E. im Blick, besonders wenn ich mir die 2. Strophe anschaue („der Weg ist ewig“ – „ich werde leben, weil du bist“). Ich gebe dir recht, dass manchmal guten Songs schlechte Theologie transportieren – aber bei diesem Song finde ich die Kritik nicht wirklich berechtigt…

  6. Hi Jörg!

    Schön, dass Du Dich zu Wort meldest. Auch Dir wollte ich natürlich nicht an den Karren fahren! 😉

    Ja, wenn man den biblischen Zusammenhang beachtet, relativiert sich meine Kritik tatsächlich. Letztlich hab‘ ich am Sonntag (im Babyraum… 😉 ) auch vor allem diesen einen Satz aus dem Lied bewusst wahrgenommen – und der kam mir eben komisch vor. Aber man sollte Aussagen ja niemals aus dem Zusammenhang reißen. 😉

    Nichtsdestotrotz stellt sich mir die Frage: „Wie viel Theologie verträgt ein Anbetungslied?“ Soll heißen: Es hat vielleicht nicht jeder immer alle möglichen biblischen Zusammenhänge / Hintergründe im Kopf.

    Wie dem auch sei: Wenn das Lied für Andere tröstlich ist – wunderbar! 🙂

  7. Danke für die Steilvorlage, ich habe sie dann heute als Einstieg in den Lobpreis (mit besagtem Lied) verwendet. Fand ich prima.

  8. Ich glaube, das ist so eine Ecke beim Lobpreis. Er möchte gerne im Himmel ansetzen. Fand bei James Bryan Smith „An Arrow Pointing to Heaven“
    (80) die feine Beobachtung: Though we often err on one side or the other, the more common error is to make Him (Jesus) less human and more divine. For many of us, Jesus is Superman. He leaps tall buildings and stops speeding bullets. He is above the fray of human life. For a lot of Christians, He is all God and is merely hiding in a human costume.

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