George Orwell zum 60. Todestag

Ein weiterer Streifzug durch die Gefilde von erf.de hat mir einen Text über George Orwell beschert, den Autor von „1984“ und „Animal Farm“, der vor 60 Jahren (genauer gesagt: am 21. Januar 1950) gestorben ist.

Ein moderner Prophet

Vor 60 Jahren starb der britische Autor George Orwell  

„Alle Tiere sind gleich, aber einige sind gleicher als andere.“

George Orwell war einer von den Gleichen. Gleicher als gleich wollte er nie sein. Eine Freundin hat ihn gerühmt als „den einzigen Intellektuellen, der ein Bügeleisen reparieren konnte“. Vor 60 Jahren, am 21. Januar 1950, verstarb der leidenschaftliche Sozialist und Antikommunist, die Lästerzunge, der Wahrheitsfanatiker, der Prophet. Unter seinem bürgerlichen Namen Eric Blair kennt ihn kaum einer. Das Pseudonym George Orwell dagegen kennt jeder, der jemals eine weiterführende Schule besucht hat. Irgendwann im Laufe des Schülerdaseins steht entweder Orwells „Farm der Tiere“ auf dem Lehrplan oder der pessimistische Zukunftsroman, der scheinbar keiner mehr ist: „1984“.

“Big Brother is watching you.“

Der große Bruder weiß alles, sieht alles. George Orwell wusste, wovon er sprach. Er hat im spanischen Bürgerkrieg mitgekämpft, hat aus nächster Nähe gesehen, wie totalitäre Strukturen entstehen und wie Menschen um der Macht willen buchstäblich die eigene Großmutter verkaufen. Sein trauriger Held Winston Smith ist der Prototyp des arglosen und gedankenlosen Mitläufers, des Zeitgenossen, der vor allem eins will, seine Ruhe.

„Dem normalen Menschen liegt gar nicht daran, dass das Reich Gottes kommt. Er möchte, dass das Leben auf der Erde seinen Fortgang nimmt. Die meisten haben viel Spaß am Leben, auch wenn das Leiden dem die Waage hält.“

George Orwell, der Eiferer für eine bessere Welt – er war in einem früheren Leben selber mal ein Typ wie Winston Smith. Als Sohn eines Beamten der britischen Kolonialverwaltung in Indien hatte er zunächst die Polizeilaufbahn eingeschlagen. Er wusste also, wovon er schrieb. Seine Erkenntnis und große Sorge war, dass auch eine gefestigte Demokratie unversehens zu einem Überwachungs- und Folterstaat mutieren kann. Als einer der ersten hat Orwell die ungeheure Suggestivkraft der Massenmedien erkannt, vor allem des damals gerade erst erfundenen Fernsehens.

„Der Gipfel der Obszönität wird dann erreicht sein, wenn die eine Hälfte der Menschheit am Fernsehen zuschaut, wie die andere Hälfte hungert.“

Diese und andere schlimme Ahnungen des George Orwell sind längst Wirklichkeit geworden. Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen, der gläserne Bürger, die Überschwemmung der Medien mit Pornografie billigster Machart – all das hat Orwell in großer Deutlichkeit kommen sehen. Warum sollten nicht auch seine Hoffnungen wahr werden? Auf der „Farm der Tiere“ verheißt zumindest einer, das Pferd Old Major, ein Ende der Unterdrückung, eine gerechte und geschwisterliche Gesellschaft. George Orwell selbst hat nicht zu hoffen gewagt, dass eine solche Gesellschaft mit Gottes Hilfe zustande kommt. Er hatte aber auch nichts dagegen, dass die Christen unter seinen Freunden gerade auf Gott ihr Vertrauen setzten – wenn schon auf die Menschheit so wenig Verlass ist.

Markus Baum, ERF Radio

Ich gehöre (leider) nicht zu den Leuten, die in der Schule Orwell gelesen haben (Ab damit auf die Leseliste *notier*). Und ich stelle gerade fest, dass ich „1984“ mit „Brave New World“ von Aldous Huxley verwechsle – Letzteres hab‘ ich immerhin gelesen. 😉 Gibt’s da Parallelen?

4 Gedanken zu „George Orwell zum 60. Todestag“

  1. “1984″ mit “Brave New World” ( zu deutsch „Schöne neue Welt“) zu verwechseln ist… ähm „mutig“ 🙂

    Wobei beide ein düsteres Zukunftsbild zeichnen, wobei 1984 viel mehr Roman ist als die „Schöne neue Welt“ das ist mehr eine Kurzgeschichte.
    Die „Schöne neue Welt“ soll übrigens bald verfilmt werden, und wenn die Verfilmung besser wird als 1984 spart man sich das lesen 🙂

    Aber zu den Gemeinsamkeiten, die düstere Zukunft in beiden Werken ist eigentlich schon die einzige Gemeinsamkeit.
    in !984 geht es um einen Totalen Überwachungsstaat bis hin zu einer neuen Sprache (Neusprech) die von Wortschatz her weniger Möglichkeit zum eigenen denken bietet.
    Bei „Schöne neue Welt“ werden die Menschen (wie in der Matrix) in einer Art Fabrik mit den gewünschten Fähigkeiten (bzw Unfähigkeiten) hergestellt um eben so eine gehorchende Arbeiterschaft zu erhalten.

  2. Och, so mutig fand ich das gar nicht… 😉 Ich kenne „1984“ inhaltlich ja gar nicht, wusste nur, dass es mit düsteren Zukunftsvisionen zu tun hat. Und das ist bei „Brave New World“ ja auch der Fall – wenn auch vielleicht ganz anders. Und, wie ich mittlerweile auch noch gelesen habe: George Orwell war in Eton einer der Schüler von Aldous Huxley – da haben wir doch schon den Zusammenhang! 😉

    Wie auch immer: Was hältst Du von den beiden Büchern, danker?

  3. Ach als Fan der Apokalypse gefallen mir solche Bücher 🙂
    1984 ist meiner Meinung nach das bessere der beiden, „Schöne neue Welt“ ist mehr eine kurze Gruselgeschichte zum auf schrecken ala Edgar Allen Poe.

    Bei 1984 stört mich eigentlich nur, das Orwell den Gedanken der persönlichen Freiheit nur an der Erotik (Sex) festmachen / auf zeigen kann.

  4. ich glaube wir haben orwell schon weit übertroffen. diese ganze überwachung und datensammelei, dies hat er sich nicht geahnt, dass das zwischenzeitlich so in mode gekommen ist. es ist aber nicht nur der staat. wie auch die bürger selbst, freiwillig ihre daten in sozialen netzwerken offenbaren, zeigt doch, dass wir alle gebenüber dem datenschutz gleichgültiger geworden sind. oder etwa nicht?

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