Auch Russen lieben ihre Kinder

CharlieWilson_kulturgutGestern „Der Krieg des Charlie Wilson“ gekuckt. Basierend auf einer „unglaublichen, aber wahren Geschichte“ erzählt der Film, wie der texanische Kongressabgeordnete Charlie Wilson in den 1980er die afghanischen Mudschahedin im Krieg gegen die Sowjetunion unterstützt hat – bis sich diese schlussendlich aus Afghanistan zurückzogen. 

Nach Ende der Kampfhandlungen wollte Wilson den Wiederaufbau des Landes unterstützen, was aber am Desinteresse innerhalb des Senats scheiterte. Der Film endet mit der Einblendung eines Zitats von Wilson, das auf diese unerledigte Aufgabe anspielt:

“These things happened. They were glorious and they changed the world… and then we f***ed up the end game.”

„Diese Dinge sind passiert. Sie waren glorreich und haben die Welt verändert… und dann haben wir das Endspiel versaut.“

Angeblich soll der Film (auch) darstellen, wie Wilson sich vom alkoholsüchtigen Lebemann zu einem Menschen verändert, dem das Leid der Menschen in Afghanistan nicht egal ist. Meiner Meinung nach kommt von dieser Läuterung wenig ‚rüber. Was den Film vor allem auszeichnet? Pathos und Schwarzweiß-Malerei. Die Russen sind die Kommunisten, also die Bösen – die Amerikaner sind die Guten, die sich – wie so oft – darin gefallen, als Sheriffs aufzutreten.

Mir ging den ganzen Film über eine Zeile aus StingsRussians“ (1986) durch den Kopf: „…the Russians love their children, too“ (Den kompletten Text gibt’s weiter unten). Sprich: Könnten wir nicht, anstatt den kalten Krieg weiterzuführen, die Russen als Menschen sehen, die – genau wie wir – ihre Kinder lieben?

1986 ist lange her und der kalte Krieg für die Meisten so gut wie vergessen.  Aber der Text lässt sich ja auch auf andere Länder anwenden… Irak… Iran… ironischerweise (bedenkt man den Einsatz der USA dort in den 1980er-Jahren) auch Afghanistan.

Manchmal könnten Politiker doch echt mal mehr auf Rockstars hören…

Hier noch der gesamte Text:

„Russians“

In Europe and America, there’s a growing feeling of hysteria
Conditioned to respond to all the threats
In the rhetorical speeches of the Soviets
Mr. Krushchev said we will bury you
I don’t subscribe to this point of view
It would be such an ignorant thing to do
If the Russians love their children, too

How can I save my little boy from Oppenheimer’s deadly toy
There is no monopoly in common sense
On either side of the political fence
We share the same biology
Regardless of ideology
Believe me when I say to you
I hope the Russians love their children, too

There is no historical precedent
To put the words in the mouth of the President
There’s no such thing as a winnable war
It’s a lie that we don’t believe anymore
Mr. Reagan says we will protect you
I don’t subscribe to this point of view
Believe me when I say to you
I hope the Russians love their children, too

We share the same biology
Regardless of ideology
What might save us, me, and you
Is if the Russians love their children, too

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