When God walks through the room

In einem alten Rolling Stone-Artikel („U2 dissect ‚Bomb‘„) habe ich folgendes Zitat von U2-Schlagzeuger Larry Mullen Jr. gefunden:

„People respond to U2 in an unusual way. People trust U2 and believe what we do. And that’s much bigger than the music — and it’s despite us. I remember one of Bono’s classic lines. We were on the last tour, running the names of the victims of 9/11 behind us [during „One“]. There was crying, applause — everything seemed louder and bigger. And those old songs, „Sunday Bloody Sunday,“ „I Will Follow,“ „Out of Control“ — they suddenly had new meaning. But Bono said, „When people applaud, when people laugh and cry, it’s nothing to do with you. It’s memory — that song takes them somewhere.“
We have to separate ourselves from that. If we thought it was all about us, it would f**k us up. Something happens, but it is not something we can make happen. It only happens when God walks through the room.“

Ähnliches hat Rob Bell formuliert (siehe „Mr. Bell und meine Lieblingsband„).

Wie seht Ihr das denn – U2-Fans, die Ihr hier mitlest? Oder: Geht es Euch (Lesern generell) ähnlich mit anderer Musik?

Auch hier noch die deutsche Übersetzung (Ergänzung vom 18.9.):

„Die Leute reagieren auf ganz ungewöhnliche Art auf U2. Sie vertrauen U2 und glauben an das, was wir tun. Und das ist viel größer als die Musik – und passiert trotz unserer Anwesenheit. Ich erinnere mich an eine von Bonos klassischen Aussagen. Während der letzten Tour (also die „Elevation“-Tour, das Interview fand ja anlässlich der Veröffentlichung von „How to dismantle an atomic bomb“ 2004 statt; Anm. IM) ließen wir [während „One“] die Namen der Opfer des 11. September (auf der Leinwand) hinter uns durchlaufen. Es gab Weinen, Applaus – alles schien lauter und größer. Und diese alten Lieder, „Sunday Bloody Sunday“, „I Will Follow“, „Out Of Control“ – plötzlich hatten sie eine neue Bedeutung. Aber Bono sagte: „Wenn die Leute applaudieren, wenn sie lachen und weinen, hat das nichts mit dir zu tun. Es ist die Erinnerung – der Song bringt sie an einen gewissen Punkt.“

Wir müssen uns selbst davon unabhängig sehen. Wenn wir glauben, dass es nur ums geht, würde uns das kaputtmachen. Irgendetwas passiert da, aber das können wir nicht selbst herbeiführen. Es passiert nur dann, wenn Gott durch den Raum geht.“

4 Gedanken zu „When God walks through the room“

  1. Hallo Ilona!

    Also, ich kann das definitiv bestätigen, daß Musik Erinnerungen weckt oder zumindest vage Assoziationen mit zuvor Erlebtem hervorruft – vor allem im Zusammenhang mit solchen Erlebnissen, die einfach stark emotional belegt sind.

    Die Art der Musik ist dabei eigentlich nicht entscheidend, wobei ich persönlich da definitiv eine Ader für die ruhigere Schiene habe, seien es melancholische oder hymnische Balladen, aber auch bei manchen klassischen Werken.

    Bei U2 ist das bei mir durchaus auch der Fall – mir geht es vor allem mit „I still haven’t found what I’m looking for“ und „Where the streets have no name“ so. Ich kann nicht einmal sagen, womit genau ich diese Songs assoziiere – oft sind es einfach nur bestimmte Stimmungslagen, in die man durch die Musik versetzt wird, und die in diesem Moment dann, warum auch immer, bedeutsam werden.

  2. „People trust U2 and believe what we do.“ Genau das ist es, was diese Band so einzigartig macht. Es geht mir mit keiner anderen Band so und nur deswegen bin ich solch ein leidenschaftlicher Fan. Ich kann einfach hinter einem sehr großen Teil der Aussagen oder Botschaften stehen und sie eröffnen mir auch neue Blickwinkel.
    Natürlich gibt es auch andere Bands, die mich mitreißen und in deren Liedern ich mich verlieren kann (Aus neuerer Zeit Snow Patrol – Shut your eyes oder Razorlight – Wire to wire) aber der Songkatalog von U2 wimmelt nur von Songs, die mich auf verschiedene Arten mitnehmen.
    Wenn ich an das letzte Konzert zurückdenke und es mit meinen anderen Konzerten vergleiche, wird aber deutlich das die Band auch etwas dazutun kann. Die Band hatte so eine Freude zu spielen und auch die Inszenierung war so perfekt, das es das beste Konzert meines bisherigen Lebens wurde. (Und ich sehe nicht nur U2-Konzerte.) Natürlich gehört zu einem „magischen“ Moment nochmehr als Show, Musik, Spielfreude und eine Art Symbiose mit dem Publikum und da finde ich die Formulierung von Larry passend, zutreffend und schön: „It only happens when God walks through the room.”

    Im Lobpreis ist es mit den Gefühlen allerdings anders gelagert. Da fokussiert sich das emotionale Spektrum schon sehr auf das Loben und Preisen. Da spielen andere Gefühle nur wenig eine Rolle. (Aber die Konzentration auf dieses eine Gefühl kann einen auch ganz schön umhauen.) Aber auch hier passt das Zitat sehr gut.

  3. Moin Ihr Zwo,

    vielen Dank für Eure Kommentare! 🙂

    @Tobias: Was hältst Du von der Sichtweise von Rob Bell, das Ganze mit Gott bzw. der Ehrfurcht vor ihm in Verbindung zu bringen?

    @bergemensch: Du hast ziemlich genau auf den Punkt gebracht, was ich auch über U2 denke bzw. bei Konzerten empfinde. Danke. 😉 Snow Patrol hab‘ ich erst so richtig entdeckt, seit ich sie als Vorgruppe eben von U2 erlebt hab‘ – sehr stark! Bei mir ist gerade „Run“ Dauerohrwurm. (Und die Version von Leona Lewis ist übrigens ein Verbrechen!)

  4. Hei Ilona!

    Ich kann das Zitat von Rob Bell sehr gut nachvollziehen – genauso geht es mir auch oft mit Musik, Literatur, Naturerlebnissen etc. Kunst ganz allgemein kann durchsichtig werden für „Transzendenz“. Und wer glaubt, der entdeckt auch in der Natur Gottes Wirken und Schöpfermacht. 🙂

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