Dunkelgrüne Wildgänse

Wildgänse_kulturgutVermutlich bin ich einfach zu kritisch. Oder zu anspruchsvoll. Aber ich kann mir nicht helfen: Der Inhalt von „Der Schrei der Wildgänse“ mag an vielen Stellen bahnbrechend, herausfordernd und gut sein – aber der Schreibstil ist eine kleine Katastrophe! Oder sagen wir es so: Der Sprache und des Spannungsbogens wegen habe ich bei dem Buch ganz sicher nicht tapfer bis zum Ende durchgehalten… Und teilweise fand ich die Dialoge einfach wahnsinnig platt. Kennt jemand von Euch das Buch? Was haltet Ihr davon? (Eine Leseprobe nebst Anhang „Weshalb ich nicht mehr „in die Kirche gehe““ gibt es hier.)

DarkyGreen_kulturgutÄhnlichwie bei den Wildgänsen ist es mir kürzlich mit „Darky Green“ von Adrian Plass gegangen. Ein Thriller, der (meiner Ansicht nach) erst auf Seite 169 (!) anfängt, einigermaßen spannend zu werden, verdient meiner Meinung nach diesen Titel nicht. Mag sein, dass es auch in „Darky Green“ um zentrale Themen (wie etwa die Frage danach, warum Menschen einander hassen und Gewalt ausüben) geht und interessante Inhalte vermittelt werden sollen. Aber auch hier habe ich beim Lesen keine rechte Leidenschaft entwickeln können. Und obwohl ich z.B. „Die Hütte“ echt gut finde, hat mich auch da der Stil nicht gerade vom Hocker gerissen.

Was sagt mir das jetzt? Dass es unmöglich ist, eine spannende Geschichte, einen ansprechenden Schreibstil und eine „gute Aussage“ unter einen Hut zu bringen? Wollen diese Autoren einfach zu viel? Sind sie zu „christlich bemüht“?

Oder es liegt einfach doch an mir… 😉

6 Gedanken zu „Dunkelgrüne Wildgänse“

  1. kann es vielleicht an der deutschen übersetzung liegen?

    bei den wildgänsen sehe ich es genauso wie Du. thematisch ist es der hammer, aber beim lesen habe ich des öfteren gedacht dass dort im englischen etwas anderes steht und gemeint ist. habe das buch daher noch mal auf englisch bestellt – aber nocht nicht gelesen … 😉

    darky green habe ich hier stehen aber noch nicht gelesen – obwohl adrian plass mein alltimefavourite ist. an dem hervorragenden übersetzer christian rendel sollte es aber eigentlich nicht liegen.

    vermisse übrigens Deine tweets.

  2. Hi march,

    Ja, bei den Wildgänsen fand ich in der Tat die Übersetzung stellenweise nicht sehr gelungen. Und habe genau wie Du gedacht, dass da im Englischen wahrscheinlich das und das steht – und man es auf Deutsch aber eben so nicht sagt. Vielleicht sollte ich mir auch noch mal die englische Variante – aber am nicht vorhandenen Spannungsbogen und den langen Dialogen wird die ja auch nichts ändern. 😉

    Genau – bei AP war die Übersetzung auch nicht das Problem. Aber ich hatte mir von Plass einfach mehr erwartet. Vielleicht sind Thriller aber auch einfach nicht so sein Metier?

    Echt? Die gibt’s aber schon lange nicht mehr… Hab‘ mich immer gefragt, ob das überhaupt irgendwer gemerkt hat. 😉

  3. Ich habe „Schrei der Wildgänse“ zuerst auf englisch gelesen (gibt es ja kostenlos als Download). Schon den Originaltitel empfand ich weitaus besser: „So, you dont want to go to church anymore?“
    Ich habe zwar nochmal angefangen die deutsche Übersetzung zu lesen, bin aber nicht ganz durch.
    Ja, das Buch hat seine Längen und die Dialoge entfernen sich immer wieder von dem, was man in einem Roman erwartet. Dazu sind sie zum Teil wohl auch zu ausführlich.
    Ich habe auch festgestellt, dass dieses Buch sehr unterschiedlich wahrgenommen wird – je nach aktuellen Hintergrund der Leser. Solche, die mit ihren Gemeinden und deren Angebot keine Probleme haben (oder zu haben meinen) ist das Buch eher ein guter Anreiz manches zu überdenken. Für solche aber, die erhebliche Probleme mit der institutionalen Kirche/Gemeinde haben spricht das Buch an weit mehr Stellen aus ihren Herzen. Ein wiederholter Kommentar von Lesern des „Schrei der Wildgänse“ ist damit auch, dass dort etwas in Worte gefasst wird, was ihnen enorm wichtig wurde, sie aber so noch nicht formulieren konnten.
    Solchen Lesern bleibt der Spannungsbogen eher erhalten, als anderen, die nicht wirklich in einer ähnlichen Lebenssituation sind.

  4. Ich glaube nicht, dass Adrian Plass bei der Darky Green zu bemüht ist eine Botschaft zu vermitteln. Ich fürchte Thriller ist einfach nicht sein Genre. Was schade ist, seine anderen Bücher sind ja alle großartig. Und vermitteln ihre Botschaften ganz „mühelos“ 😉

  5. @Daniel:
    Ich muss gestehen, dass ich nur das Tagebuch des frommen Chaoten kenne – das hat mir allerdings sehr gut gefallen. Ist allerdings schon eineinhalb Jahrzehnte her, dass ich das gelesen habe. 😉 Naja – vielleicht hätte Plass einfach bei seinen Leisten bleiben sollen…

    @Charly:
    Ich weiß nicht, ob das mit dem Spannungsbogen wirklich etwas mit der Lebenssituation des Lesers zu tun hat – oder haben darf. Ich finde nämlich auch, dass in dem Buch Vieles in Worte gefasst wird, das ich ähnlich sehe und das mir wichtig ist. Aber Lust aufs Weiterlesen hatte ich deshalb noch lange nicht – meiner Meinung nach muss ein guter Roman das aber durch seinen Stil leisten.
    Danke übrigens noch für den Hinweis, dass es die engl. Version zum Download gibt! (http://www.jakecolsen.com/JakeStory.pdf)

  6. Ich habe auch „Der Schrei der Wildgänse“ gelesen udn mir ging es ähnlich wie dir Ilona. Viele Gedanken sprachen mir aus dem Herzen, doch die Dialoge waren oft zu platt, vorhersehend und insgedamt war das Buch kein Lesegenuß. Dennoch fand ich es sehr gut, dass die Autoren das Buch in narrativen Stil geschrieben haben und kein „Sachbuch“ daraus gemacht haben. Das Buch lässt deutlich Luft nach oben zu. Daher frage ich mich: Wer schreibt einen Roman zu diesem Thema mit ansprechenden Schreibstil?

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