Barack statt George

Ein paar interessante Gedanken zum Amtsantritt von Barack Obama habe ich bei peregrinatio gefunden: „Obama und das ‚messianische Experiment‘„. Dort wird aus Jürgen Moltmanns „Das Kommen Gottes“ zitiert – am besten, Ihr seht Euch das selbst mal an… 😉

Was Moltmann da schreibt, mag gewagt und ungewohnt klingen. Aber offenbar sieht er die USA – das heißt, eine bestimmte Kultur dieser Welt – als potentiellen Anstoßgeber für eine „bessere Welt“, um es mal ganz banal zu formulieren (also für alle Kulturen der Erde). Wenn (auch) die USA diese Aufgabe wahrnehmen könnten… Das wäre wirklich was!

Die Zeremonie zum Amtsantritt Obamas – so bombastisch und für Deutsche ungewohnt sie auch gewesen sein mag – und seine Antrittsrede haben bei mir jedenfalls die Hoffnung darauf verstärkt, dass die USA sich in Zukunft (wieder) ganz anders geben werden als zu Zeiten von GWB…

7 Gedanken zu „Barack statt George“

  1. Ups, Vorsicht – ich glaube, da liegt ein Mißverständnis Moltmanns vor, das dem fehlenden Kontext des Zitats bei peregrinatio geschuldet ist:

    Was Moltmann in den dort wiedergegebenen Zitaten vermittelt, ist das Selbstverständnis der USA, nicht Moltmanns eigene Wertung dieses Selbstverständnisses!

  2. Hm… Ja… Das kann sein… Danke für den Einwand! Ich hatte es jedenfalls in der Tat so verstanden, dass es Moltmanns Ansicht ist.

    Dennoch: Schaden könnte es trotzdem nicht, wenn die USA für mehr Gerechtigkeit auf der Welt sorgen würden… 😉

  3. Habe mich gerade noch einmal anhand des Buches rückversichert: in der Tat handelt es sich bei den von peregrinatio wiedergegebenen Passagen um eine Darstellung des amerikanischen Selbstverständnisses, das Moltmann gerade ablehnt, weil ein solches „messianisches“ Selbstverständnis alleine Christus zukomme.

    Es geht hier also um eine massive Kritik Moltmanns an den USA, nicht um die Legitimierung der Verbindung christlicher Hoffnung mit einer innerweltlichen Staatsmacht! So betrachtet würde Moltmann (wenn ich ihn das nächste Mal sehe, frage ich ihn …) mahnen, berechtigte (!) Hoffnungen auf eine neue US-Politik nicht mit Kategorien des Evangeliums zu verwechseln.

    So wenig es in der Tat schaden kann, wenn die USA für mehr Gerechtigkeit sorgen – da bin ich ganz Deiner Meinung! -, so sehr hege ich den Verdacht, daß ein Großteil der Erwartungen und Hoffnungen, die sich jetzt von europäischer Seite an die USA richten, eher Ausdruck eigenen Versagens und Projektion von Schuldgefühlen sind, was die eigene Rolle in der Arbeit für eine gerechtere Welt angeht.

  4. Vielen Dank für’s Nachschauen!

    Dann sieht die Angelegenheit – zumindest was Moltmann und seine Ansichten betrifft – ja doch anders aus… Ist halt immer so eine Sache mit aus dem Kontext genommenen Zitaten… *seufz*

    Zu Deinem letzten Absatz:
    Ja, das kann gut sein, dass Manche (in Europa) ihre eigene Verantwortung auf die USA abwälzen wollen. Was natürlich fatal und nicht im Sinne des Erfinders wäre.
    Es hat mich aber trotzdem bewegt zu sehen, dass durch Amerika – gewissermaßen – „ein Ruck“ zu gehen scheint. Und das kann erst mal nicht schaden – wenn man natürlich auch noch nicht weiß, ob und wie Obama wirkliche Veränderungen bringen kann / wird.
    (Der Messias ist er natürlich nicht, aber die Frage stellt sich für mich auch gar nicht.)

  5. Ich habe auch die komplette Inaugurationszeremonie angeschaut und fand sie bewegend (v.a. Obamas Rede, das Gebet von Rick Warren und das Segensgebet von Joseph E. Lowery) – wie gesagt, nichts gegen Freude über einen Kurswechsel und Hoffnungen an die neue Regierung in den USA! 🙂

    Mir ging’s eher ums Maßhalten – und bei der Obamanie der vergangenen Monate konnte man schon manchmal den Eindruck gewinnen, daß da manche meinen, Christus sei wiedergekehrt … 😉

  6. *vorsichhindenk* Dumm aber auch, dass ich das Original nicht habe und den Kontext nicht selbst nachlesen kann…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.