Fundstückchen: Den ganzen Kosmos lieben

„Wohl denen, die den ganzen Kosmos lieben. Und nicht nur ihr eigenes kleines Land, ihre kleine Stadt oder ihr kleines Stückchen Grund und Boden, ihnen wird sich die Bedeutung des Wortes Unendlichkeit offenbaren.“

(Aus: „Die Farbe Lila“ von Alice Walker – zitiert von Christina Brudereck beim Studientag Gesellschaftstransformation)

Musik als Waffe

Es gibt ja so Sprüche, die sind einfach Quatsch. Neulich fiel mir das auf bei:

„Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder:
Böse Menschen haben keine Lieder.“

Da hatte ich gerade die Dokumentation „Musik als Waffe“ auf 3sat gesehen. Darin geht es um eine besonders perfide Methode der Kriegsführung: Den Einsatz von Musik als Folter.

Jeder Kommentar in Richtung: „Haha, gibt echt Musik, die ich mir wirklich gut als Foltermethode vorstellen kann!“ blieb mir im Halse stecken, als mir klar wurde, wie Musik hier zum Einsatz kam (oder sollte ich schreiben: kommt…?). Durch tagelanges, ununterbrochenes Abspielen unerträglich lauter, westlicher Musik sollte der Wille von Gefangenen gebrochen werden. In der Doku (zu sehen hier) wird das sehr anschaulich – u.a. deshalb, weil der Komponist Christopher Cerf, dessen Musik (Lieder für die Sesamstraße!) in Guantanomo für Folter genutzt wurde, einen Selbstversuch macht und sich in die Position des Gefolterten begibt.

Ich bin verstört. Zum Einen über die Sache an sich: Musik – dieses kostbare Geschenk, diese Gabe, im Einsatz für solches Übel? Und dann über die Menschen, die in der Doku zu Wort kommen, weil sie die Methoden entweder entwickelt oder selbst eingesetzt haben. Das klingt bei ihnen so, als ginge es um etwas ganz Triviales wie Waschmittel oder Fußbodenheizung. Da fällt mir nichts mehr ein…

(Oder doch: Herr, erbarme Dich!)

Blinde Kuh

Aufgeschnappt dank Magnus: Ein Beitrag auf dasaweb über „Tanzen“ von Herbert Grönemeyer aus dem Jahr 1986, mit einem…

…Text, der leider all zu gut zu der Stimmung der letzten Wochen passt. (Tanzen | dasaweb)

Nämlich:

Asylanten weisen wir vor unsere Schranken
So verfolgt kann keiner sein
Deutschland wird allzusehr als Paradies missverstanden
Wir lassen einfach keinen mehr rein

Wir sind Christen, falten unsere Hände
Schließen dabei die Augen zu
Wir preisen Gott und die geistige Wende
Wir spielen blinde Kuh
Wir wollen unsere Herren loben
Alles Gute kommt von oben

Als das Lied rauskam, war ich eine Art Fan von Grönemeyer. Hatte damals allerdings keinen richtigen Draht zu seinen Texten. Ich war 10…  Ich weiß darum auch nicht, wie die Lage damals war und inwiefern Grönemeyer damals Recht hatte mit seiner Kritik an Christen. (Vermute allerdings, er lag nicht ganz daneben…) Meine Hoffnung ist jedenfalls, dass es heute – trotz der Aktualität des Liedes – auf jeden Fall mehr Christen gibt als vor fast 30 Jahren, als das Lied entstanden ist, die eben nicht die Augen verschließen. Oder die sich nicht in ihre eigenen Kreise zurückziehen und „nur“ beten. „Blinde Kuh“ ist schließlich was für’n Kindergeburtstag! (Apropos: „Kinder an die Macht“ fand ich damals super!)

Muttersprache, Mensch!

Ich muss mal meinen Horizont erweitern. Im Lauf meines Lebens hat es sich so eingebürgert, dass der größte Teil der von mir gehörten Musik englische Texte hat. War keine Absicht, ist einfach passiert. Habe mir vorgenommen, das zu ändern – denn kann es sein, dass mir Einiges entgeht, wenn ich deutschsprachige Bands außen vor lasse? (Rhetorische Frage!)

Meine aktuelle diesbezügliche Entdeckung: Prag. Ganz wunderbar! Noch mehr Vorschläge, irgendwer?

Musik 2014: Ein Fink und ein paar Bluthänflinge

Es wäre etwas übertrieben, einen musikalischen Jahresrückblick für 2014 anzukündigen – dazu höre ich momentan (leider) viel zu wenig Musik. Aber zwei Bands sind mir im letzten Jahr dann doch über den Weg gelaufen, die ich sehr erwähnenswert finde.

Fink war einer dieser Glückstreffer – ich sitze im Auto, spät abends, irgendeine Newcomer-Sendung im Radio (WDR2?) und plötzlich haut man mir „Looking too closely“ um die Ohren. Ich liebe das Lied (klar, kraftvoll, knallt) und auch solche Spontanentdeckungen, bei denen ich immer Panik habe, ich könnte den Namen der Band oder den Radio-Sender (s.o.) vergessen und darum schon beim Hören eifrig versuche, mir Textzeilen zu merken, um später notfalls danach googlen zu können…

The Common Linnets (Die Bluthänflinge) sind mir beim ESC überhaupt nicht aufgefallen – vielleicht hatte ich da gerade den Raum verlassen?! Unfassbar… Zum Glück kam „Calm after the storm“ ja dann ständig im Radio. Und da wir das ja jetzt alle gut genug kennen, hier ein anderer Tipp vom Debüt-Album: „Arms of salvation„.

When you’re running fast from darkness
And it’s just a step behind
And your feet they start to stumble on the shadows in your mind

Just hold on to the knowing
That it’s gonna be alright
And the arms of salvation will be holding you tonight

„Kunst schleicht sich unterbewusst ein“

Seine Worte waren schon öfter mal Balsam für meine Seele – und auch in diesem Interview spricht Philip Yancey mir wieder in vielerlei Hinsicht aus der Seele. In seinem neuen Buch („Vanishing Grace. What Ever Happened to the Good News?“) beschäftigt er sich mit der Frage, wie Christen in unserer post-christlichen Zeit Gnade leben und verständlich machen können – denn mit Gnade werden Christen oft leider am allerwenigsten assoziiert.

Yancey nennt jedenfalls drei Haupttypen von Christen, die Gnade für Andere besonders effektiv greif- und erlebbar machen:

Aktivisten handeln mit Taten von Barmherzigkeit. Damit erreichen sie die Herzen von Menschen. Diese öffnen sich für ihre Botschaft. Und irgendwann wollen diese Menschen wissen, warum sie das tun.

Künstler sind auch effektiv darin. Kunst schleicht sich unterbewusst ein. Historisch gesehen war die Kirche immer ein grosser Kunstförderer, heute trifft dies auf manche Gemeinden zu, auf andere kaum. Künstler ordnen sich nicht leicht ein, aber sie sind sehr gut darin, das Evangelium einer Gesellschaft zu sagen, die es eigentlich ablehnt.

Die letzte Gruppe sind die Pilger. Wir können sagen: «Hallo, wir sind genauso unterwegs wie du, aber wir wissen etwas vom Ziel, so und so hat uns das im Leben geholfen», statt klarzustellen: «Wir sind drinnen, ihr seid draussen. Ihr seid schlecht. Und ihr geht dafür in die Hölle.»

Das nenn ich Weite, frischen Wind – und ’ne dicke, fette Ermutigung noch dazu!

(Zuerst gelesen bei Peter)